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Fuer alle, die sich fuer die Thematik interessieren: Kinder Gesundheit / Umwelt KrankheitGeleitwort der Herausgeber Kinder sind klein und werden häufig übersehen. Selbst wenn Erwachsene, wie in diesem Buch, sich auf Kongressen und in Veröffentlichungen für sie aussprechen, geschieht zunächst nicht viel. Kinder eignen sich eben gut für Deklarationen, Ideale, Ethik. Aber kaum für Machtaktionen, Realpolitik, Monetik. Dennoch ist es überlebensnotwendig, auf diesen ständigen Widerspruch hinzuweisen und für eine nachhaltige Gesundheit, eine zukunftsfähige Umwelt und eine generationenübergreifende Politik zu plädieren. Zum Inhalt Im ersten Beitrag gibt Jürgen Bilger einen Überblick über das gesamte Spannungsfeld von "Kinder-Gesundheit" und "Umwelt-Krankheit", in dem heute Kinder (aber natürlich auch Erwachsene) leben und auch erkranken. Seine Gedankengänge und Bindestriche stecken den Rahmen ab, in dem sich auch die übrigen Themen des Buches bewegen. Ein Großteil der hier erstmals ins Deutsche übersetzten Beiträge stammt von der ersten "Internationalen Konferenz für Kinder, Gesundheit und Umwelt" (16.-18.8.1998 in Amsterdam). Es ist auch heute in der Wissenschaft oftmals noch so, daß uns die Amerikaner in vielen Dingen voraus sind. So konnten wir in Amsterdam für deutsche Ohren grundlegend Neues hören und sind stolz, zu der Verbeitung innovativer Gedanken gerade auch im Hinblick auf die Problematik der Kinder in unserer Welt beitragen zu können. Die Grundlagen einer präventiver Gesundheitspolitik für den Bereich der USA haben Philip Landrigan et al. bereits 1997 beschrieben. Eine Übertragung der jetzt erstmals auf Deutsch zu lesenden Grundsätze auf europäische und deutsche Verhältnisse wäre ein lohnendes Ziel. Die Vereinigung INCHES will weltweit die Sache der Kinder voranbringen, in Deutschland versucht dies die AG Ökologische Pädiatrie, deren Entwurf einer kindzentrierten Agenda im Anhang zu finden ist. Zwei weitere richtungsweisende brandaktuelle Forschungsansätze werden in diesem Buch erstmals einer breiteren deutschsprachigen Öffentlichkeit vorgestellt. Es handelt sich einmal um das TILT-Konzept von Nicholas Ashford & Claudia Miller, das sich mit der chronischen Wirkung von niedrig dosierten Schadstoffen beschäftigt und als Erklärung für eine Vielzahl von neuartigen Krankheitsbildern wie Golfkriegs-Syndrom, MCS, Holzschutzmittel-Syndrom usw. diskutiert wird. Mit einer neuartigen Sichtweise im Umgang mit nun einmal eingetretenen Schadensfällen befaßt sich Rosalie Bertell mit ihrem Konzept der "Community Health Care", auf deutsch etwa "gemeindeorientierte Gesundheitsfürsorge". Sie betrachtet das Gemeinwesen als den Patienten, der zu heilen ist und nicht nur die einzelne erkrankte Person. Und dies wird in alter Hausarzt-Manier ganz praktisch gemacht, in dem die Betroffenen vor Ort aufgesucht werden. Kinder sind aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften öfter diejenigen Gemeindemitglieder, die als erstes erkranken und so quasi als Seismografen das gestörte Gleichgewicht anzeigen. Toxikologische Niedrigdosen (hier: PCB) und kindliche Symptome (hier: immuno-neuro-psychologische) bringt eine holländische Forschungsgruppe unter der Federführung von Svati Patandin in Verbindung. Aufgrund der sich über mehrere Jahre erstreckenden Untersuchungen derselben Kinder sind eindeutig negative Auswirkungen festzustellen - auch wenn die Schadstoffdosen an sich nicht übermäßig hoch liegen. Wir freuen uns, daß wir für die weiteren Themen kompetente Autoren aus Deutschland finden konnten. Till Bastian beschreibt anschaulich, wie anders eine Kindheit heute im Vergleich vor sagen wir fünfzig Jahren verläuft, wenn man sein Augenmerk auf das veränderte Tempo legt - nur eine von mehreren grundlegenden Veränderungen und Errungenschaften der letzten Jahre, die die Kinder von heute ja gar nicht anders kennen, im Gegensatz zu uns Erwachsenen. Zu der uns noch bevorstehenden immer weiteren Entwicklung hin zu einer virtuellen Multi-Media-Cyber-Gesellschaft trägt mit Heinz Buddemeier ein Mensch der älteren Generation seine Gedanken vor, dessen Schulzeit von Schiefertafel und später vom Rechenschieber bestimmt wurde. Zwei Utensilien, die heutigen Schülern zumindest bei uns unbekannt sein dürften. Sein Plädoyer für ein kindgerechtes Lernen verteufelt nicht den Computer, setzt aber eindeutige Prioritäten an anderer Stelle: nämlich beim Sprechen, Lesen und Schreiben. Die Kunst, in einer Welt, die ständigem Wandel unterworfen ist, nicht nur zu überleben, sondern sich bester Gesundheit zu erfreuen, scheint für Kinder und Jugendliche immer schwieriger zu werden. Heiner Keupp beschreibt in seinem Aufsatz anhand des Salutogenese-Konzepts von Antonovsky, wodurch die gesunderhaltenden Mechanismen gerade bei Kindern und Jugendlichen unterstützt werden können. Bereits vor einigen Jahren gab es (erfolglose) Kampagnen für die Durchsetzung sog. Ökologischer Kinderrechte. Monika Böhm weist in ihrem Beitrag nach, daß unser bestehendes Grundgesetz theoretisch einen umfassenden Schutz von Umwelt und Gesundheit gewährleistet, um auch den nachkommenden Generationen eine gesunde Umwelt zu garantieren. Praktisch lässt leider auch die juristische Einklagbarkeit zu wünschen übrig, wie mehrere verlorene Prozesse deutlich machen. Ein Fazit dürfte sich nach der Lektüre der Beiträge aufdrängen: keiner kann sagen, er hätte nicht gewußt - es mangelt wie so oft in erster Linie an der politischen Durchsetzungsfähigkeit, woran sich auch unter der neuen Regierung (noch?) nicht unbedingt etwas geändert hat. Hannover/ Bremen im März 2000 Jürgen Bilger Erik Petersen ---------- Inhalt:
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