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Gefaerdete Kinder
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Rachels Environment & Helth Weekly (REHW) # 712, November 23, 2000, Original in Englisch. Die deutsche Uebersetzung ist hier mit Erlaubnis von REHW publiziert. CHILDREN IN HARM'S WAY Gefaehrdete Kinder Von Rachel Massey Ein neuer Bericht von einer Gruppe Ärzte besagt, dass Millionen von Kindern in den USA Lernbehinderungen, einen verringerten IQ und zerstörerisches und aggressives Verhalten aufweisen, da sie giftigen Chemikalien ausgesetzt sind.[1] "Entwicklungsstoerungen, die durch Neurotoxine (Nervengifte) verursacht werden, sind weit verbreitet. Chemische Belastungen sind bedeutende und vermeidbare Beiträge zu diesen Behinderungen", besagt der Bericht. (S. 1 17) Betitelt mit "IN HARM'S WAY" wurde der Bericht von den Ärzten Ted Schettler und Jill Stein und zwei ihrer Kollegen geschrieben und bei "Greater Boston Physicians for Social Responsibilty" in Zusammenarbeit mit "Clear Water Fund" veröffentlicht. IN HARM'S WAY verbindet toxische Expositionen während der frühen Kindheit, oder sogar vor der Geburt, mit lebenslangen Behinderungen wie unter anderem Aufmerksamkeitsstörungen, verringertem IQ und dem Mangel an Aggressionskontrolle. IN HARM'S WAY überprüft wissenschaftliche und medizinische Informationen von bestimmten Toxinen, denen die meisten oder alle amerikanischen Kinder ausgesetzt sind und zeigt Zusammenhaenge zu der steigenden Anzahl von Kindern auf, bei denen jedes Jahr anormale Gehirnentwicklung oder anormale Gehirnfunktion diagnostiziert wird. Der Bericht ist ein Aufruf zum Handeln für alle, die sich für das Wohl der Kinder und für die Zukunft unserer Gesellschaft interessieren und kommt zu dem Schluss, dass wir unserer Regierung gemeinsame spezielle Interessen abringen muessen, um bei einer ansteigenden Anzahl von Kindern Gehirnschäden zu vermeiden. Von Entwicklungsstoerungen wie Autismus, Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitäts-störungen, Legasthenie und unkontrollierbaren Aggressionen sind derzeit in den USA schätzungsweise 12 Millionen Kinder unter 18 Jahren befallen, also fast jedes fünfte Kind. Ausserdem scheint das Vorkommen mancher dieser Behinderungen in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch angestiegen zu sein. Zum Beispiel stieg zwischen 1977 und 1994 die Anzahl der Kinder, die man als lernbehindert einstufte und denen man spezielle Ausbildungs-programme zukommen liess, landesweit um 191%. Die Anzahl der Kinder, die die Droge Ritalin nehmen, um ihre Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung zu bekämpfen, hat sich seit 1971 alle vier bis sieben Jahre ungefaehr verdoppelt. Experten schätzen, dass die Anzahl von Autisten von ca. 4 von 10 000 in den fruehen 80ern auf zwischen 12 und 20 von 10 000 in den 90ern angestiegen ist. Laut einem kürzlich in US NEWS AND WORLD REPORT erschienenen Artikel, stieg die Anzahl der Kinder in New York, die man als lernbehindert einstufte, zwischen 1983 und 1996 um 55%. Einige behaupten, dass die festgestellten Behinderungen aufgrund verbesserter Diagnose und den zunehmenden Erwartungen ansteigen, da Kinder heute in juengeren Jahren kompliziertere Fertigkeiten lernen müssen. Laut Bericht halten aber viele Eltern, Lehrer und Ärzte, die mit Kindern arbeiten, diese Erklärungen fuer nur teilweise richtig, da "sie sich nicht vorstellen können, dass solche Behinderungen in der Vergangenheit unbemerkt geblieben sind". (S. 11) Experten moegen über die genaue Anzahl von Kindern, die unter einzelnen Stoerungen leiden, streiten, aber die unumstrittene Realität ist, dass eine grosse Anzahl Kinder derzeit unter ernsten Entwicklungsstoerungen leidet und sie vielen giftigen Chemikalien ausgesetzt sind, die dafür bekannt sind, solche Stoerungen auszulösen. Die Autoren des Berichtes schrei-ben: "Wir glauben, wir können die sich häufenden Beweise, dass chemische Belastungen zu der Zunahme der Entwicklungsstoerungen beitragen, nicht länger ignorieren," (S.9). IN HARMS WAY gibt uns eine Kostprobe neurotoxischer Substanzen, denen viele oder alle amerikanischen Kinder ausgesetzt sind - wie z. B. Schwermetalle (Blei, Quecksilber, Magnesium), Nikotin, Pestizide, POPs (Persistent Organic Pollution wie z.B. Dioxine und PCBs), Loesungsmittel (inclusive Alkohol), Fluoride und Nahrungsergaenzungsmittel. IN HARMS WAY gibt uns einen Ueberblick über Daten bzgl. Entwicklungsstoerungen bei Menschen und bei Tieren in Zusammenhang mit diesen Chemikalien. Die Auswirkungen koennen in Abhaengigkeit vom Zeitpunkt der Exposition erheblich variieren. Winzige Expositionen, die bei den meisten Entwicklungsstufen keine bemerkenswerten Folgen haben, koennen jedoch verheerende und bleibende Schaeden anrichten, wenn sie waehrend einer Phase erfolgen, in der sich bestimmte Organe rasch entwickeln. (S. 9) Hier ist eine Sammlung von Toxinen, die die Entwicklung eines kindlichen Gehirns beeintraechtigen:
Mitarbeiter der Regierung erklaeren Grenzwerte, die sich auf einzelne Chemikalien beziehen als "sicher". Aber in Wirklichkeit sind Kinder vielen Chemikalien gleichzeitig ausgesetzt. Solche Mehrfachexpositionen koennen viel schaedlicher sein als die Exposition einzelner Chemikalien. Eine Studie fand zum Beispiel heraus, dass gewisse Kombinationen von Pestiziden Aenderungen in den Schilddruesenwerten verursachen, die nicht auftreten, wenn die Chemikalien einzeln getestet werden und so die Kombination unerwartete Auswirkungen in der kindlichen Entwicklung bewirken koennte. (siehe REHW # 648) Normale Schild-druesenwerte sind sehr wichtig fuer die Entwicklung des Gehirns. Andere Studien zeigen, dass die Kombination von Quecksilber- und PCB-exposition zwei Schadstoffe, die sich in Fischen anreichern - sogar noch groessere Auswirkungen auf die Entwicklung des Nerven-systems verursachen kann als jeder einzelne Schadstoff allein. (S. 67) Unter unserem aktuellen Regulierungssystem muessen industrielle Chemikalien nicht bezueg-lich ihrer Toxizitaet getestet werden bevor sie in den Handel gelangen. (S. 108) Die EPA schaetzt, dass zur Zeit zwischen 2400 und 4000 Industriechemikalien auf dem Markt sind, die neurotoxisch wirken. Diese Zahl ist jedoch "hoechst spekulativ", da die meisten der auf dem Markt befindlichen Chemikalien nicht bezueglich ihrer Neurotoxizitaet getestet wurden. Die Veroeffentlichung der "Toxischen Bestandsaufnahme" durch die EPA die nur 625 von 80 000 Industriechemikalien erfasst - berichtete, dass im Jahre 1997 fast 500 000 Tonnen von Neurotoxinen (Nervengiften) direkt in Luft und Wasser entlassen wurden. (S. 103) Pestizide muessen zwar getestet werden, bevor sie in den Handel gebracht werden, aber nicht bezueg-lich ihrer Neurotoxizitaet. Die EPA glaubt, dass von den 890 "aktiven Substanzen" in Pestizi-den 140 neurotoxisch wirken. 20 Millionen amerikanische Kinder unter 5 Jahren essen jeden Tag im Durchschnitt 8 verschiedene Pestizide, die sich in ihrem Essen befinden. (S. 106) Die Autoren von "IN HARMS WAY" weisen darauf hin, dass es keinen Grund gibt, den Schutz unserer Kinder hinauszuzoegern. Um Vorsichtsmassnahmen zu treffen, brauchen wir keine weiteren wissenschaftlichen Erkenntnisse. "Wir sollten nicht mit Sicherheit nachweisen müssen, wie viel genau und durch welchen Mechanismus ein nervenschädigendes Pflanzen-schutzmittel die Entwicklung des Gehirns schädigt, bevor man zu dem Schluss kommt, dass die Volksgesundheit nicht geschuetzt ist, wenn der Urin von praktisch jedem Kind in diesem Land Rückstände dieser Chemikalie enthält. Wir müssen nicht bis ins letzte den Mechanismus verstehen, durch den Methylquecksilber die normale Entwicklung des Gehirns eines Fötus beeinträchtigt, bevor man folgert, dass es nicht annehmbar ist, dass Süßwasser- und viele Salzwasserfische so sehr mit Quecksilber vergiftet sind, dass sie die Entwicklung des Gehirns bedrohen. Wir wissen wie man Freisetzungen von Quecksilber in die Umwelt reduzieren kann, so dass es wieder sicher ist, regelmäßig Fisch zu essen. Wir können Herstellungsverfahren verändern, so dass der Bleiverbrauch bei Produkten ständig zurückgeht, anstatt zuzunehmen. Wir können veraltete Technologien, die Dioxin abgeben, welches Foeten und Muttermilch vergiftet, abschaffen oder verändern. Wir wissen, wie man dies macht. (Seiten 121 - 122) Um das zu tun, müssen wir die Kontrolle über unser Regulierungssystem zurückgewinnen. So wie die Dinge jetzt sind, werden Firmen, die finanziell davon profitieren, dass sie Kinder giftigen Substanzen aussetzen, als anerkannte "Treuhänder" in dem Prozess, der "sichere" Grenzwerte festlegt, akzeptiert - sogar von den meisten Umweltschützern. Als Ergebnis haben wir darin versagt, unsere Kinder vor Industriegiften zu schützen. Wie es die Autoren von IN HARM'S WÄY formulieren, "die Rolle von speziellen Interessengruppen an der Überwachung von Umweltchemikalien ist ein wichtiges Thema für die öffentliche Debatte, da sie direkte Bedeutung fuer die neurologische Entwicklung von Kindern heute und in der Zukunft hat." (Seite 121). Mit einen Wort, unser derzeitiges Kontrollsystem ist wie ein Gerichtsverfahren, in dem der Angeklagte in der Jury sitzt. Wenn wir Kinder haben wollen, die normal spielen, denken und lernen können, müssen wir die Firmen und unsere Regierung ändern, so dass der Schutz für die Entwicklung des Gehirns vor dem Schutz von Profit kommt. Rachel Massey ist Beraterin in der "Environmental Research Foundation". Lit: [1] Ted Schettler, Jill Stein, Fay Reich, Maria Valenti, and David Wallinga, IN HARM'S WAY: TOXIC THREATS TO CHILD DEVELOPMENT (Cambridge, Mass.: Greater Boston Physicians for Social Responsibility [GBPSR], May 2000). Available on the web at http://www.igc.org/psr or as a paper copy from GBPSR in Cambridge, Mass.; telephone 617-497-7440. [2] Sheila Kaplan and Jim Morris, "Kids At Risk," US NEWS AND WORLD REPORT Vol. 128, No. 4 (June 19, 2000), pgs. 47-53. Uebersetzung: Annika Achberger, Anja Hagel, Andreas Lenk, Sarah Schmidt, Ingrid Scherrmann (Die Umlaute wurden in der Form ae, oe, ue notiert, damit der Artikel auf allen PCs gelesen werden kann.) -------------- Rachels Environment & Helth Weeklys ist unser Erachtens weltweit eine der besten Informationsquelle, Die REHWs koennen als email subscribiert werden Web: http://www.rachel.org Zum Kopieren pdf-Dateien ( 4- oder 3-seitig) bitte unter info@safer-world.org anfragen |
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