11.02.2026
Von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie e.V. :
"Neurologische Krankheiten laufen in Deutschland oft unter dem Radar, nicht zuletzt, weil die sehr häufigen, originär neurologischen Diagnosen Schlaganfall und Demenzen mit hohen Fallzahlen in der Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) nicht als neurologische Krankheiten geführt und kodiert werden. Das beeinflusst die statistischen Auswertungen der Krankheitslast/-kosten. Betrachtet man hingegen das Gesamtvolumen neurologischer Krankheiten, wird deutlich, wie dringend erforderlich die Stärkung der Prävention dieser die Gesellschaft und das Gesundheitssystem stark belastenden Krankheiten ist. ....
Damit sind neurologische Erkrankungen, passend zur internationalen Studie, auch in Deutschland führend im Hinblick auf die Krankheitskosten (64,86 Mrd. Euro), und zwar vor psychischen, kardiologischen und onkologischen Erkrankungen. Denn wie das Statistische Bundesamt im August 2025 in einer Pressemeldung mitteilte, verursachten Krankheiten des Kreislaufsystems Kosten von 64,6 Mrd. Euro (darin enthalten 16,54 Mrd. für zerebrovaskuläre Erkrankungen), psychische und Verhaltensstörungen Kosten von 63,3 Mrd. Euro und Neubildungen (darunter Krebserkrankungen) schlugen mit 47,6 Mrd. Euro zu Buche [2]. Auch wenn man nur einen Teil der durch Demenzerkrankungen verursachten Kosten in der Neurologie ansiedeln würde, blieben neurologische Erkrankungen noch unter den Top 3.
„Uns geht es nicht darum, mit anderen Bereichen zu konkurrieren, wir sind interdisziplinäre ‚Teamplayer‘“, erklärt DGN-Präsidentin Prof. Dr. Daniela Berg. „Gerade mit unseren Kolleginnen und Kollegen aus den Nachbardisziplinen Innere Medizin und Psychiatrie arbeiten wir gut und eng zusammen. Fakt ist aber, dass durch die kodierungsziffergelenkten Statistiken die Bedeutung der Neurologie deutlich unterschätzt wird, und zwar nicht nur von der breiten Bevölkerung, sondern auch von der Politik und den Kostenträgern. Hier müssen wir korrigierend eingreifen und die korrekte Interpretation der Zahlen anmahnen.“
Wie die Expertin hervorhebt, sei dies von besonderer Bedeutung, um die Notwendigkeit neurologischer Präventionsmaßnahmen klar herauszustellen. „Neurologische Erkrankungen belasten das Gesundheitssystem erheblich, ein Großteil kann aber verhindert werden. Neurologische Präventionsmaßnahmen sind angesichts der Zahlen längst kein ‚nice to have‘ mehr, sondern ein ‚must have‘ – daran arbeiten wir, und hier fordern wir ein stärkeres Engagement unseres Gesundheitssystems und der Politik.“ "
www.dgn.org
https://idw-online.de/de/news865809
Anmerkung Scherrmann:
1) Auch psychische Krankheiten können eine Folge von neurotoxischen Chemikalien sein. Diese Teilmenge müßte dann auch zu den neurologischen Erkrankungen dazugezählt werde. (siehe z. B.: Raymond Singer: Neurotoxicity Guidebook)
2) Bzgl. Prävention wird noch nichts ausgesagt.
3) Bzgl. vieler neurologischer Erkrankungen gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse, daß Neurotoxine bei der Entstehung eine zentrale Rolle spielen, z. B. Glysophat als Verursacher von Demenzen, Parkinson’s, etc. .
4) Um die Kosten für neurologische Erkrankungen zu minimieren wäre es also meines Erachtens dringend erforderlich, bei allen Patienten und Patientinnen zu hinterfragen, welchen Schadstoffen sie sowohl beruflich als auch privat, sowohl im Indoor- als auch im Outdoorbereich in größerem Maße ausgesetzt waren.
5) Grenzwerte, auch eine Art Gesamtgrenzwert müßten neu definiert werden. Dazu bräuchte es jedoch das Wahrnehmen der schon vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse, und dazu den politischen Willen, Prävention auch im Sinne von Schadstoffvermeidung zu sehen und in Gesetze zu schmieden. Dann und nur dann könnten die Kosten der neurologischen und vieler anderer Krankheiten minimiert werden.
6) Meines Erachtens wird sich der Blick auf umfassende effektive Prävention nicht ändern und somit eine maßgebliche Minimierung der angesprochenen Krankheitskosten eine Illusion sein.